BMW i5 M60 - Schnell zur Ruhe
- jakobzacharias
- 9. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Es ist früh am Morgen. Das Haus schläft noch in idyllischer Ruhe, als beim Zurückschlagen der Bettdecke kalte Luft den Körper erfasst. Die Mission alleine ist es, die zum Gang in den begehbaren Kleiderschrank animieren kann. Jeans, weißes Hemd, bodennahe Schuhe, deren Sohle über die Ferse nach oben gezogen ist. Beim Blick in den Spiegel hält Jason Statham kurz inne, streicht sich durch den stoppeligen Drei-Tage-Bart. Dabei entfährt ihm ein kaum wahrnehmbares Nicken, dass seine Entscheidung affirmiert. Der Fahrzeugschlüssel fällt wie ein noch schlummerndes kühles Wesen in die warme Handfläche – Weiß-Blau das Wappen, dass die Gene einer bayerischen Fahrmaschine in sich trägt.
Dann folgt eine simple, schnelle Choreographie in der Stallung. Entriegeln des Fahrzeugs, dekonnektieren der Elektronenfördernden schwarzen Nabelschnur, ein gezielter Blick beim Öffnen der Fahrgastzelle auf das Display, dass den Ladestatus des Akkus aufleuchten lässt – 100%. Maximale Eigenspannung.
Ich lasse mich von dem vorkonditionierten Innenraum aufnehmen, lege die Hände an das warme Lenkrad. Der Blick schweift über kristallin anmutende Strukturen, durch die in sportlich eingestellten Fahrmodi das rote Blut zu strömen scheint.


Noch merke ich die Wallungen dem BMW i5 M60 nicht an, noch verhält sich dank des elektrischen Antriebskonzeptes alles angenehm zurückhaltend. 0 – 1. Aus - An. Meine rechte Hand gleitet vom Lenkradkranz in Richtung Mittelkonsole, wo sich ein von Diamanten befülltes Schmuckfach zu entblößen scheint. Zwischen Richtungsgeber und Bedienkranz des Infotainmentsystems leuchtet mich mit kühler Gelassenheit der lebenserweckende Start-Stop-Taster an.

Das Garagentor öffnet sich und gibt den Blick auf eine weiße und stille Außenwelt frei. Langsam rolle ich aus der schützenden Halle, messerscharf und beinahe eindringlich durchschneiden die Tagfahrlichter die langsam schwingenden Luftmoleküle.

Niemand bekommt etwas von unserem frühen Aufbrechen mit und so schleichen wir gänzlich unbemerkt durch den Ort, fahren samtfüßig jenseits der Gemeindegrenzen hinaus in die karge Landschaft.
Plötzlich funkt sich ein Anruf direkt in den Innenraum der Fahrgastzelle, Rufnummer unterdrückt. Ich nehme ab und die eindeutigen Instruktionen meiner Intuition entgegen. Der Wald ruft.
Entschlossen verwandelt sich der Businesskoffer in ein Projektil, dessen katapultartige Querbeschleunigung uns rasant in die korrekte Abflugrichtung eindreht.
Der BMW i5 M60 ist entfesselt, die schiere Menge an Watt – 500.000W um genau zu sein – befördert das Fahrzeug in Richtung Horizont, die Massenträgheit des eigenen Körpers bleibt noch etwas dahinter, im Kopf das kurzzeitige Gefühl von Watte.
Hans Zimmer breitet sich beim Anregen der Motoren mit synthwaveiger Raumkraft im Innenraum aus. Entlang der akustischen Shepard-Skala wird mir der Eindruck vermittelt, dass die Beschleunigung ins Unermessliche und niemals endend anzusteigen scheint.
Der Digitaltachometer befindet sich im Rausch, die Zahlen rasseln nur so durch. Noch nie habe ich diese oberfränkische Landstraßenpassage mit so viel Druck erklommen.
Wir pendeln uns auf einer angenehmen und dem Körper eher zuträglichen Beschleunigung ein. Der i5 hat klar gemacht: Wenn ich spontan die Gesetze der Physik außer Schwerkraft setzen möchte – er ist sofort bereit mich in einen Lagrance-Punkt zu warpen.
Meinen Zielort erreiche ich früher als erwartet. Eine schmale Schneise zweigt von der Asphaltstraße ab und bringt mich über einen beschneiten Schotterweg in einen Waldabschnitt. Wie knirschende Schuhsohlen auf Schnee rollen die Pneus des i5 über den Weg, tiefer und tiefer tauchen wir ein in die reine Natur, bis wir sie in uns aufgenommen haben und sie uns vollständig aufgesogen hat. Die Fahrertür springt auf, ich lasse meinen linken Fuß über den Seitenschweller auf den Waldboden gleiten.
Seitenhalt im Frankenwald.


























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